Zuchtziel

Vorwort:
Der geneigte Leser mag sich fragen, warum man die Anstrengung unternimmt,
Zuchtziele zu definieren. Schließlich ist doch bereits alles irgendwo schon einmal geschrieben worden, was es zum Briard zu sagen gibt – dabei wird sich doch bestimmt eine nette, gut lesbare Beschreibung von Zuchtzielen finden lassen, auf die man dann verweisen kann. Ganz so einfach ist es leider nicht.
Zumindest dann nicht, wenn man „gesunde, wesensfeste, dem Standard
entsprechende…“ als zu dürftig erachtet. Ich glaube, dass diese
wunderschöne Rasse es verdient hat, ein wenig weiter auszuholen…

Nach der Anschaffung unseres ersten Briards
– ein wunderschöner und liebenswerter Kerl, wenn auch etwas zu groß geraten –
war eine Phase unseres Lebens geprägt von der Teilnahme an
Rassehundeausstellungen. Verständlich, wollte man doch zeigen, welch schönen
Rüden man besitzt. Unseren Rüden – wir haben dies leider viel zu spät
bemerkt – konnte dies allerdings überhaupt nicht begeistern.

Nach etlichen Ausstellungen, Studium verschiedenster Literatur, Gesprächen
mit Tierärzten und Schäfern, begann in uns die Frage zu reifen, ob ein Teil
der ausgestellten Briards tatsächlich noch die Gebrauchshunde waren, die
ursprünglich für die Arbeit an der Herde gezüchtet wurden.
Natürlich ist es schwer, heute konkret zu sagen, wie die Urväter unserer
modernen Briards wohl ausgesehen haben mögen. Der bei der FCI hinterlegte
Rassestandard hilft da nicht wirklich weiter, weil solche Rassebeschreibungen
einem Wandel unterliegen. Als Beispiel sei hier auf die doppelten Afterkrallen verwiesen, die vor wenigen Jahren noch doppelt und komplett vorhanden sein mussten.
Nach einer Änderung des Rassestandards reicht es heute aus, wenn zwei Krallen vorhanden sind, das Fehlen der dazugehörigen knöchernen Teile führt nicht mehr
zum Zuchtausschluss.

Eine Herangehensweise mit dem, was man gemeinhin als gesunden
Menschenverstand bezeichnet, verspricht da schon eher eine gewisse Aussicht auf Erfolg.

Beginnen wir mit der Größe – auch wenn es wahrscheinlich nie die Hauptaufgabe des Briards war, eine Herde zu “treiben”, kann man getrost davon ausgehen,
dass von einem Hund, der im weiteren Sinne „an der Herde arbeitet“,
eine gewisse Wendigkeit erwartet wurde.

Unzweifelhaft bringt Größe auch Vorteile- so hängen beispielsweise Körpergröße
und Schrittfrequenz voneinander ab. Ein großer Hund ermüdet deshalb nicht so
schnell. Futtermangel kann durch große Hunde mit einem höheren Ausgangsgewicht besser kompensiert werden und durch das günstigere Verhältnis zwischen
Körpervolumen und Oberfläche kommt ein größerer Hunde besser mit niedrigen
Temperaturen zurecht. Die Frage ist aber doch, wie groß ist groß genug –
ab welcher Größe wird diese zum Nachteil?

Dass bestimmte Bereiche des Hundesports – Ersatz für die ursprüngliche
Beschäftigung zum Beispiel von Hütehunden – von kleineren, leichteren und
damit wendigeren Hunderassen dominiert werden, kommt nicht von ungefähr. Zunehmende Größe und damit – bei gleicher Statur – zwangsläufig auch zunehmendes Gewicht gehen zu Lasten der Wendigkeit, was nicht im Sinne derjenigen gewesen sein kann, die Briards zum Einsatz “an der Herde” hielten.

Es sollte hier auch nicht außer Acht gelassen werden, dass bei großen Hunden
die größere Knochenmasse in der gleichen Zeit aufgebaut werden muss, wie
bei kleinen und mittelgroßen Rassen. Die dabei auftretenden Belastungen
für Bänder und Gelenke sind enorm. Ebendiese Gelenke müssen später die
größere Körpermasse auch tragen – jedes Kilo weniger ist dabei eine
Entlastung und führt zu einer geringeren Abnutzung.

Maßnahme:
Auswahl solcher Elterntiere, die – nicht nur in eigener „Person“, sondern
auch und gerade im Hinblick auf ihre Vorfahren – eine Gewähr dafür bieten,
dass die Nachzucht im Hinblick auf die Größe eher am unteren als am oberen
Limit des Rassestandards liegt.

Nicht schon immer war der Briard ein im Haus lebender Familienhund.
Stellt man sich ihn als Arbeitstier vor, das die meiste Zeit seines Lebens draußen
verbrachte, drängt sich die Frage auf, ob das Fell vieler heutiger Briards
solchen Anforderungen genügen könnte. Die auch an uns oft gestellte Frage
nach dem Pflegeaufwand für das Fell eines Briards zielt in die richtige Richtung.
Wer einmal einen Tag in der Gesellschaft seines Briards mit beispielsweise Baumfällarbeiten in einem großen verwilderten Garten zugebracht hat, wird sich bei der abendlichen Fellpflege zwangsläufig fragen, wie der vierbeinige Helfer wohl aussähe,
wenn dieser statt eines Tages ein Vierteljahr draußen verbringen müsste – ohne regelmäßige Fellpflege.

Das Fell vieler heutiger Briards ist zum überwiegenden Aufenthalt in
freier Natur eher ungeeignet. Man könnte an dieser Stelle einwenden, dass
die heutigen „Familien“briards eben nicht mehr oder weniger permanent draußen
leben, doch wäre dies zu kurz gesprungen.
Zur Aufgabe des Züchters gehört nach unserer Ansicht die Übergabe einer „Sache“ von zumindest mittlerer Qualität und Güte an den Käufer, sprich den Welpenerwerber. Ehemalige Briard-Ersterwerber werden wissen, wovon die Rede ist, wenn an dieser
Stelle bezweifelt wird, dass die Fellqualität vieler – nicht aller – Briards eben nicht von mittlerer Qualität und Güte ist. Uns sind einige Briards persönlich bekannt, deren Besitzer sich nicht anders zu helfen wussten, als ihren Vierbeinern eine Behandlung angedeihen zu lassen, die in der Regel eher dem Arbeitsmaterial (Schafen) zuteil wird – sie wurden
geschoren. Den Besitzern der geschorenen Briards zu unterstellen, sie seien zu faul, ihre Hunde regelmäßig und richtig zu kämmen, halten wir für nicht zielführend.
Sicher wird es in Einzelfällen durch Unkenntnis dazu kommen, dass nur noch professionelle Hilfe das Fell wieder in Normalzustand bringen kann. In der Mehrzahl dürfte es aber doch so sein, dass nicht dem Rassestandard entsprechende Fellbeschaffenheit die
Besitzer verzweifeln lässt.

Warum durch einen Teil der Richterschaft bei Ausstellungen Briards mit
„modischer Felllänge“ bevorzugt werden, ist schwer erklärlich.
Ausgiebige Spaziergänge bei Wind und Wetter führen zwangsläufig dazu, dass das Fell der
Vierbeiner verschmutzt. Beim und nach dem Trocknen neigen verschmutzte Haare
dazu, abzubrechen – die Natur regelt quasi selbst. Diesem eigentlich eher nützlichen Phänomen kann man entgegenwirken, indem man den Briard nach Spaziergängen bei unerquicklichem Wetter duscht – es stellt sich allerdings die Frage, ob dies artgerechte Haltung ist, da menschliche Reinigungsprozeduren dem Hundefell eher abträglich sind. Hundehaare sind nämlich in natürlichem  Zustand wasserabweisend und selbstreinigend – bis der Mensch beginnt, dem mit Shampoo und ähnlichen Hilfsmitteln entgegen zu wirken.

Maßnahme:
Ziel ist die Zucht von Briards mit mittellangem Fell von guter Qualität.

Der Briard ist bei der FCI der Gruppe 1, Hütehunde und Treibhunde, dort der
Sektion 1, Schäferhund, zugeordnet. Tatsächlich dürfte seine ursprüngliche
Tätigkeit zwischen dem Hütehund und dem Hütewachhund anzusiedeln sein.
Die jüngere Generation der Schäfer teilt hier zwischen Herdengebrauchshunden
und Herdenschutzhunden. Die in den letzten Jahren häufig vertretene Ansicht,
der Briard könne sowohl der einen, als auch der anderen Gruppe angehören,
lässt unberücksichtigt, dass
„beide auf den gleichen Stimulus (Schaf) reagieren, aber ihre genetische Ausstattung führt dazu, dass sie auf zwei unterschiedliche Arten reagieren. Man könnte meinen, sie wären völlig unterschiedlich programmiert (R. Coppinger)“.

Alleine schon die Körpergröße ordnet den Briard den Herdenschutzhunden zu.
Einige Wesenszüge des Briards, die auch im Rassestandard beschrieben sind,
lassen sich aus dieser Aufgabe erklären. Während der Herdenschutzhund die
Herde großräumig „absichert“, dabei auf seinen Instinkt angewiesen sehr
selbstständig arbeitet, ist der Herdengebrauchshund nahe an der Herde und
wird regelmäßig vom Schäfer dirigiert. Beiden ist der Hütetrieb angeboren,
den man – sehr ausgeprägt – auch beim Briard findet. Eher dem Herdenschutzhund
ist das selbstständige Denken eigen – er muss entscheiden, wann der Herde
Gefahr droht und wie er darauf reagiert. Große Herden werden oftmals
von mehreren Herdenschutzhunden begleitet, die oft stundenlang auf einer
Stelle „mit Ausblick“ verharren, um dann auf Gefahren schnell zu reagieren.
Im Rassestandard ist der Briard beschrieben als „von ausgeglichenem Wesen, weder aggressiv noch ängstlich“.

Maßnahme:
Ziel unserer Zucht ist ein Briard mit ausgeglichenem Wesen, der seine
Familie als Herde sieht, sich Fremden gegenüber misstrauisch aber nicht
aggressiv verhält und sich dabei seine Fähigkeit zu selbstständigem Denken
und seine Arbeitsfreude erhalten hat.

Den Briard gibt es in drei Farbvarianten – noir (schwarz), fauve (rehfarben)
und gris (grau). Jeder der drei Farbschläge hat seine Liebhaber und unsere
eigene Feststellung, dass unser fauver Rüde eher gemütlich, unsere schwarze
Hündin eher wuselig ist, mag zufällig und dem Geschlecht geschuldet sein.

Unser mittelfristiges Zuchtziel sind graue (genauer gesagt „blaue“ = grau
geborene) Briards. In Deutschland eine ganze Zeit eher verpönt, sind diese
schiefergrauen Briards wunderschöne Tiere, die auch hier wieder zunehmend
Liebhaber finden.

Unser Traumbriard lässt sich folgendermaßen beschreiben: Ein stolzes,
selbstbewusstes Tier, von der Größe eher am unteren als am oberen Limit des
Standards. Das Fell von guter Qualität, eher kürzer als “modisch lang” ist
er souverän und “klar im Kopf”. Eher misstrauisch gegenüber Fremden ist er
doch in der Lage, andere Hunde – auch gleichen Geschlechts – zu tolerieren.
Am wichtigsten allerdings ist, dass er – auch wenn er noch so selbstständig
denkt – “seinen” Menschen als Boss akzeptiert (nicht nur duldet).

Ein Briard kann unseren Zuchtzielen nur soweit entsprechen, wie seine Eltern
ihm die entsprechenden genetischen Voraussetzungen mitgegeben haben. Die
Auswahl geeigneter Elterntiere ist mithin Grundvoraussetzung zur Erreichung
des Zuchtzieles. Natürlich können Umweltfaktoren – falsche Fütterung,
falsche “Erziehung” usw. –  einem Briard und seinem Menschen viel Ungemach
bereiten, aber was nutzen die beste Erziehung und die gesündeste Ernährung,
wenn der Vierbeiner am anderen Ende der Leine zur Wahrnehmung seiner
ursprünglichen Aufgaben als Berger de Brie nicht einmal theoretisch geeignet wäre.

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